Ein Thema des 10. Jahrgangs
Sich auf dieses Thema einzulassen, es nicht nur zu diskutieren, aus ganz privater Sicht, sondern auch noch darüber zu schreiben, mit der Vorgabe, die Kriterien einer Kurzgeschichte einzuhalten, das ist nicht selbstverständlich. Besonders dann ist es das nicht, wenn dieses 16jährige Schüler tun sollen, überwiegend Jungen. Und wenn es sich um einen B-Kurs handelt, wo das Wort ‚schreiben’ normalerweise Abwehr auslöst.
Sie haben geschrieben und sie haben keinen Schulaufsatz geschrieben, eine der schlimmsten Textsorten nach Meinung ihrer Lehrerin, weil oft zu Tode langweilig. Und sie haben gestaltet.
Respekt! Eine Textauswahl veröffentliche ich sehr gern.
D. Hohls
Wo die Liebe hinfällt von Silvio
Hätte er doch in dem Moment nie den Klassenraum betreten. Richard hatte Herrn Quensen erwartet, mit seinem ewigen Gelaber, warum er immer zu spät komme. Aber in dem Raum war nur der Direktor mit seiner Klasse. Der Direktor Dr. Meyer war gekommen, um mit Richards Klasse über Mobbing in der Klassengemeinschaft zu sprechen. Sie schauten ihn vorwurfsvoll an. Sie sprachen gerade über den Zickenkrieg innerhalb der Mädchengruppe.
Von ihm aus hätte das Gespräch auch ohne ihn stattfinden können. Aber nun war er einmal da, und er konnte das Gespräch nutzen, um Julia zu zeigen, wie gern er sie hatte. Aber er war zu überrascht wegen des Themas und er bekam kein Wort heraus.
Die Mädchen hatten öfter Streit als die Jungs: Sie stritten über Klamotten, über Beziehungen, und und und.... Ja das war nun einmal so, schrieen die Mädchen. Vielleicht könnte Richard auch etwas darüber erzählen, forderten ihn die Jungs auf. Julia guckte ihn immer an. Er dachte lange nach. Und sagte dann, dass die Jungs bestimmte Regeln hätten, wo es meist zu einem Friedlichen Entschluss käme. Das fand Julia gut, dass sollten sie bei sich auch ausprobieren.
Später auf dem Pausenhof gab Julia ihm einen kleinen Zettel, wo drauf stand: ‚Komme heute Abend mal zu dir will dir was sagen’. Der Rest des Schultages ging wie im Flug zu Ende. Als er endlich zu Hause war, saß er den ganzen restlichen Tag vor seiner Haustür und wartete auf Julia. Bing Bong. Richard guckte durch den Spion, dort stand Julia, schön wie immer. Er musste sie einfach küssen.
Sie aber sagte nur: ‚Was machst du denn da?’ Klatsch.
Nur ein Traum von Ibrahim
Hatte er je zuvor so gern Eis gegessen? Diese Frage geht ihm durch den Kopf. Er sitzt mit ihr in einem sehr guten Eisladen. Beim Bestellen hat er sie nicht gefragt, was für ein Eis sie haben möchte, weil er weiß, dass sie gerne Spaghetti-Eis isst. Er bestellt von der Sorte zweimal. Wenige Minuten später serviert der Kellner das Eis und sie fangen an es zu essen.
Sie isst gerne Spaghetti-Eis und das weiß er genau und er denkt, dass er damit bei ihr gut punkten kann. Er wartet schon lange auf eine Chance und vielleicht bekommt er die ja heute. Es wird dunkel und windig, aber nicht kalt, weil der Sommer noch anhält. Sie benutzt ihre Manieren auch beim Eis essen und sie isst langsam und vorsichtig. Er guckt ihr beim Essen zu und er will sie eigentlich ansprechen, aber er will sie nicht beim Essen stören.
Sie fragt ihn, was er habe. Er überlegt lange und weiß nicht, wie er die Frage beantworten soll. Er denkt immer noch nach. Soll er sagen, dass er mit ihr eine Beziehung anfangen will oder soll er es lieber lassen? Nachdem er lange überlegt hat, sagt er zu ihr, dass ihm nichts fehlt. Sie hat ihr Eis aufgegessen und er auch.
Er ruft den Kellner, damit er die Rechnung bezahlen kann.
Sie machen sich auf dem Weg nach Hause. Während sie gehen, fragt sie ihn, wie er sie findet. Er beantwortet die Frage sehr souverän und auf einmal fängt sie an zu erzählen, wie sie ihn findet. Sie lädt ihn zu sich nach Hause ein, um noch einen Kaffee zu trinken. Sie trinken noch einen Kaffee und reden. Die Nacht ist für die beiden noch lang.
Am nächsten Tag meldet sie sich wieder bei ihm und sie treffen sich in einem Restaurant und reden über den vergangenen Tag und über ihre Gefühle. Sie fängt an zu reden und er stimmt ihr fast in jeder Sache zu. Als er gemerkt hat,
dass sie ihn sehr gern hat, fragt er sie, ob sie mit ihm eine Beziehung anfangen will. Sie sagt gleich „JA“ und die beiden sind jetzt ein Pärchen.
Drei Wochen später gehen sie wieder in das Restaurant, wo sie waren, als sie zusammen kamen und essen die Mittagsspeisen.
Sie lieben sich jetzt noch mehr, als am Anfang.
Er macht ihr einen Heiratsantrag und sie nimmt ihn an. Sie haben es sehr schön geplant.
Am Hochzeitstag sind beide im Stress,
die Eltern empfangen schon die Gäste und der Bräutigam trifft endlich auch ein, aber jetzt fehlt sie. Die engsten Freunde vom Bräutigam und er selbst suchen sie überall, aber sie ist nicht da. Sie hat ihm einen Brief hinterlassen, da steht alles, wo sie jetzt ist und warum sie ihn doch nicht heiraten will.
Reden ist Gold von Nora
Νein, sagten sie sich. So geht das nicht. Sie telefonierten schon seit Tagen nur noch höchstens zehn Minuten. Und schon seit zwei Wochen ließ er sich nicht mehr bei ihr blicken. Er versprach jedes Mal wieder, Zeit für sie zu haben und hatte dann doch wieder die gleiche Ausrede. Genau wie jetzt. Er sagte, seiner Mutter ging es schlecht, er müsse zu Hause bleiben. Zu ihm kommen durfte natürlich auch niemand. Wie immer.
Sie hatte versucht ihm zu glauben und ihm zu vertrauen, denn sie liebte ihn. Doch in diesem Moment konnte sie ihm keinen Glauben schenken. Sie fing an zu weinen. „Heul doch nicht gleich wieder!“, sagte er. „Es reicht“, schrie sie, „Mir egal, wenn du eine andere hast oder mich nicht mehr willst! Aber sag es mir endlich! Sag mir, was passiert ist!“
Ups. Das hatte sie noch nie getan. Normalerweise schrie sie ihn nicht an. Normalerweise. Sie schwiegen eine Weile. Sie waren beide wie gelähmt. Nach kurzer Zeit des Schweigens murmelte er etwas Unverständliches und legte auf. Ohne ein Wort des Abschieds. Sie sprachen die nächsten Tage nicht miteinander. Selbst als sie in der Schule auf ihn zu ging um sich zu entschuldigen, was sie immer nach einem Streit tat, ignorierte er sie. Sie schrieb ihm hasserfüllte Sms, doch er antwortete nie. Er war wie ausgetauscht.
Sie erinnerte sich an den Jungen, der er vorher war. Er war klug und lebensfroh, jetzt jedoch saß er nur noch da, starrte aus dem Fenster, interessierte sich für nichts und man sah nur noch selten ein Lächeln von ihm. Und wenn doch, sah es irgendwie gezwungen aus. Nie schaute er sie an. Sie wurde wütend. Sie hatte ihm immer alles erzählt. Was konnte schon so schlimm sein, dass er nicht reden wollte?. Er dachte also, die letzten zwei Jahre waren nichts für mich? Wie kann er nur so dumm sein?! Sollte er doch mit seiner Neuen glücklich werden.
In der nächsten Stunde schrieb sie einen Brief. Die Worte, die darin standen, hätten jedem wehgetan. Als sie ihn jedoch beobachte und sah, wie traurig er war, als er das sah, hatte sie ein komisches Gefühl im Bauch. Sie erschrak: er schrieb doch tatsächlich zurück! Seine Antwort war kurz: „Wenn du es genau wissen willst, meine Mutter hat Krebs.“
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