Biologie- und Tauchkurs der Robert-Bosch-Gesamtschule erforscht die Tiefen des Mittelmeeres
Eine Online Foto Galerie zu der Studienfahrt finden Sie hier.
Wann stehen Schüler schon um 4.30 Uhr auf dem Parkplatz der Robert-Bosch-Gesamtschule? Eigentlich nie, aber wenn es nach Korsika geht, steht man doch gerne früh auf. Schnell ist Alles in den zwei Autobussen verstaut und das Boot angehängt. Schon auf dem Weg sieht man, dass dies wohl keine normale Klassenfahrt sein würde. In den Bussen sind nämlich nicht nur die persönlichen Sachen der Schüler verstaut, sondern auch Flossen, Taucherbrillen, Tauchflaschen, Neoprenanzüge, Tauchkameras, Wasseruntersuchungskoffer, Bestimmungsbücher und Wanderstiefel gehören zur Beladung.
Außerdem ist da auch noch das schwarze schuleigene Schlauchboot „Speedy“mit dem 50 PS Honda-Außenbordmotor. Der Biologie- und Tauchkurs der Hildesheimer Robert-Bosch-Gesamtschule ist unterwegs. 14 Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe sind es mit ihren beiden Fachlehrern für Biologie und Erdkunde; dabei auch ein im Tauchen sehr versierter Vater. Alle Schülerinnen und Schüler haben zuvor in der schulischen Tauch-Arbeitsgemeinschaft in einem einjährigen Kurs den offiziellen Tauchschein erworben. Hier der Bericht der Schülerinnen und Schüler:
Für Außenstehende muss es sehr merkwürdig gewirkt haben, als wir auf einer Raststätte die Spanngurte des Bootsanhängers nachspannten. Bei der Abfahrt vom San Bernardino hinunter nach Italien wurden die Bremsen dann auch gut eingesetzt, aber alles blieb im „grünen Bereich“. Nach einer langen und ermüdenden Fahrt sahen wir dann zum ersten, manche auch zum zweiten Mal, die italienische Hafenstadt Savona und unsere Fähre. Nachdem die Sonne hinter dem Horizont verschwunden war, lief die Fähre mit uns an Bord aus. Unser Ziel: Korsika. Eine Nacht später erreichten wir mit gedrosselter Fahrt im Morgengrauen den Hafen von Bastia. Dann hieß es auf nach Porto mit einer Durchquerung Korsikas auf immer noch abenteuerlichen Straßen. Nach zahllosen Kurven und Serpentinen rasteten wir in einem Tal an der Brücke über den oberen Golo-Fluss. Dort nahmen wir unsere erste französische Mahlzeit im Freien ein. Gestärkt, aber nicht unbedingt fit fuhren wir den restlichen Aufstieg zum höchsten Pass der Insel, dem Col de Vergio auf über 1400 m Höhe und vielen Gipfeln über 2.000 m in der Nähe. Der Abstieg über endlos erscheinende Serpentinen durch Kastanienwälder mit Wildschweinen mit einem ersten Fernblick auf die Westküste zu unserer Residenz in Porto entschädigte für den strapaziösen Hinweg. Wir bezogen unsere Zimmer und setzten sofort unser Schlauchboot ins Wasser. Die Tauchausrüstungen und unsere biologischen Untersuchungsuntensilien wurden ausgepackt und auf der Terrasse unter Palmen sortiert.

Der Golf von Porto, eingerahmt vom Capu Rosso mit dem 300 m hohen Gipfelturm im Süden und dem Weltnaturerbe auf der Halbinsel Skandola im Norden ragt als einer der drei großen Buchten im Westen Korsikas tief ins Landesinnere. Von Porto aus starten zahlreiche Boote in Richtung der Steilküsten, um Touristen und Taucher in Position zu bringen. Mit dem Titel „UNESCO Weltnaturerbe“ und „Nationalpark“ wird die Halbinsel aus leuchtend rotem Granit und violettem Porphyr und dem atemberaubenden Panorama auf eine Stufe gestellt mit dem Great Barrier Reef und dem Grand Canyon. Das 120 qkm große Natur belassene Gebiet ist nur zu Fuß oder per Boot zu erreichen und beherbergt zu Lande, zu Wasser und in der Luft eine Vielzahl seltener oder sogar nur dort vorkommender Lebewesen. Die mehrere hundert Meter hohen zerklüfteten Felswände stechen ins Auge durch skurrile Erosionsformen, die man als Tafoni bezeichnet und viele Höhlungen als Ergebnis hat. Dies und auch die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt ist auch die Folge der durch die Westlage besonders hohen Niederschläge und die fast ganzjährige Luftfeuchtigkeit. Der innere Bereich des Naturschutzgebietes bleibt allerdings für technisch gerüstete Taucher gesperrt! Unsere Tauchergruppe unter Leitung unseres Biologielehrers Wilfried Kretschmer fand aber immer überwältigende Tauchreviere am Rande des Nationalparks, manchmal sogar bei Nacht.
Von nun an wurden jeden Tag der Meeresboden und das Freiwasser erforscht. Außerdem wurde mit  dem Erdkundelehrer Erhard Thiesen die umliegende Landschaft erwandert. Zum Beispiel der Fangofluss, dessen Schluchten und apu d’Orto oder die bekannte Halbinsel Capo Rosso mit dem Genueser Turm ssumpfige Ufer mit dem Urwaldnaturschutzgebiet an seiner Mündung, der 1400 Meter hohe Cowie die Spelunca-Schlucht.

Unter Wasser wurden in Tiefen von 5 bis 45 Metern Seegraswiesen, Korallen, Fische, Meeresnacktschnecken und sogar ein 15 Meter langes Wrack bewundert und untersucht. Dabei wurden auch regelrechte Forschungsaufträge erledigt. Die Themen der Arbeiten der Schülerinnen und Schüler: „Die rote Edelkoralle im korsischen Nationalpark Scandola –Vorkommen und Gefährdung“, „Seegraswiesen im Golf von Porto – Lebensgemeinschaft. und ökologische Bedeutung“, “ Schiffswracks im Nationalpark Scandola - Lebensräume aus 2. Hand“, „Mönchsfische im korsischen Mittelmeer – Biologie und Ökologie eines Kleinfisches“, und als mehr geografisches Thema „Der Golf von Porto und der Meeresweltnaturerbepark Scandola“. Unsere Tauchgänge starteten jeden Vormittag um 08.30 Uhr vom kleinen Hafen von Porto aus. Entweder fuhren wir mit der vor Ort ansässigen Tauchbasis hinaus; oder wir fuhren mit dem schuleigenen Schlauchboot. Die Gruppen bestanden meist aus 4 bis 5 Schülern und einem unserer (Tauch-)Lehrer. Getaucht wurde im Golf von Porto in Tiefen bis 40 Meter. Wir glauben dass wir an einem der besten Tauchplätze des gesamten Mittelmeeres unterwegs waren. Glasklares Wasser, Sichtweiten um die 50 Meter. Eher eine Situation die man im Roten Meer erwarten darf. Traumhafte Unterwasserlandschaften und Abertausende von Fischen. Wir glaubten in ein tolles Aquarium gefallen zu sein…

Die Landschaft rund um Porto ist geprägt von brach gefallenen Hängen, aus denen heute alte Obstbaumbestände von Oliven, Zitrus, Feigen, Pfirsich, Pistazien und Cedrat ragen. Dazwischen hat sich typische Macchie breit gemacht, ein Paradies für Insekten und Reptilien, die wir gut beobachteten und bestimmten. Lange Zeit war die Gegend nur über kleine Boote zu erreichen, erst in den 60er Jahren wurden Straßen gebaut. So konnte die Landwirtschaft nicht mit den EU-Bedingungen und erst recht nicht dem Weltmarkt mithalten und machte dem Tourismus Platz. Das gleiche Schicksal ereilte die korsische Fischerei: 90 Prozent mussten aufgeben, geblieben ist der reglementierte, aber einträglichere Fang von Krebstieren, hauptsächlich Langustern, mit dem Korb.
Unvergesslich die Fahrt nach Ajaccio in den Süden. Die Stadt mit dem malerischen Fischerhafen „Nino Rossi“ ist als Regionshauptstadt und Geburtsstadt Napoleons ein absolutes „Muss“. Unterwegs sieht man Weinberge, welche ein relativ neues einträgliches Geschäft der Landwirtschaft deutlich machen.
Aber zurück zu Napoleon. Er wurde 1769 in dieser Stadt geboren, also nur ein Jahr nach der endgültigen Übernahme durch Frankreich. Als Sohn einer einflussreichen Familie konnte er die Militärakademie besuchen und während der Revolution siedelte die Familie auf das französische Festland über. Seine ersten militärischen Lorbeeren erwarb er sich bei der Einnahme von Toulon gegen die Engländer, was ihm mit 24 Jahren den Generalsrang einbrachte. Nach einem Zwischenspiel machte er sich bei der Niederschlagung von Aufständen in Paris unersetzlich, heiratete in die Oberschicht und schaffte in den Jahren 1796 bis 1799 den militärischen Sieg der Französischen Revolution gegen den Rest Europas. Die nächsten zehn Jahre sahen ihn auf einem unaufhaltsam erscheinenden Aufstieg vom ersten Konsul Frankreichs zum Kaiser Europas. Erst die Niederlagen in Spanien gegen Wellington, die Seeherrschaft Englands und die Niederlage vor Moskau brachen seine Macht. Die Völkerschlacht bei Leipzig und die endgültige Niederlage bei Belle Alliance/Waterloo gegen Blücher und Wellington beendeten seine Herrschaft. Dieser große Korse fand ein klägliches Ende in der Verbannung unter bisher nicht endgültig geklärten Umständen auf der einsamen Atlantikinsel St. Helena. Der Rundgang durch die Stadt zu den Stätten seiner Kindheit und den Monumenten der Erinnerung Frankreichs an seine zivilen Großtaten hinterließen bleibenden Eindruck.

Viel zu schnell verflog die Zeit hier in dem kleinen touristisch geprägten Ort Porto. Nach einer Woche wurden die Tauchgeräte ein letztes Mal angeblasen und schon packten wir wieder unsere sieben Sachen. Am letzten Abend gab es noch ein gemütliches Beisammensein am hauseigenen Pool mit gemeinsam hergestelltem Essen.
Am nächsten Morgen ging es früh in Richtung Bastia, wo unsere Fähre abfahren sollte. Zuvor machten wir noch einen Abstecher auf der Spur Pascal Paolis, dem berühmtesten korsischen Freiheitskämpfer. Im Zentrum der Insel liegt die alte Hauptstadt aus der Zeit der Unabhängigkeit mit dem zauberhaften Flair einer mediterranen Bergstadt. Unter der Führung Pascal Paolis sollte Korsika zum letzten Mal den Versuch wagen, sich 14 Jahre unabhängig gegenüber den nahen Großmächten auf dem Festland zu halten. Nach dem Scheitern Genuas, die Insel in seinem Besitz zu halten, bauten die Männer um Pascal Paoli einen Staat im Geiste der Aufklärung. Paoli stammte aus einer altehrwürdigen Landbesitzerfamilie und erhielt seine Ausbildung im Exil seines Vaters in Neapel. Zurückgekehrt als Anführer schuf er neben einer Armee und einem Verwaltungsapparat eine unabhängige Justiz, ein Bildungswesen mit Universität in Corte und eine Nationalversammlung. Diese verabschiedete eine Verfassung, welche in vielen Punkten Vorbild auch für die berühmten Virginia Bill of Rights und somit der US-Verfassung wurde. Trotz englischer Hilfe fiel die Insel nach deren Abtretung durch Genua gegen hohe Geldzahlung an Frankreich, wenn auch erst nach der verlorenen Schlacht an der Ponte Nuovo. Pascal Paoli starb nach einem gescheiterten Rückkehrversuch 1807 im Londoner Exil.
Nach einer Stärkung im Cafe ging es in die letzte Etappe, nach Mariana an der Ostküste, einer römischen Ruinenstadt mit einsamer alter Kirche unweit der Mündung des Golo. Müde, gebräunt und mit Andenken bepackt kamen wir schließlich nach stürmischer Rückfahrt wieder in Deutschland an. Diese erlebnisreiche Reise nach Korsika werden wir bestimmt nicht vergessen.

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