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Im Gedenken an den 9.November 1938 Drucken E-Mail


Über 1000 Menschen kamen während dieser Nacht um, die von den Nationalsozialisten propagandistisch als „Reichskristallnacht“ bezeichnet wurde und heute als „Reichpogromnacht“ bekannt ist. Um dieses schrecklichen Ereignisses und dessen Opfern zu gedenken, fand auch in diesem Jahr wieder eine Gedenkstunde am Mahnmal am Lappenberg statt – dort, wo bis zu jenem Tag im Jahr 1938 die Hildesheimer Synagoge gestanden hatte. Und wie jedes Jahr organisierte die Robert-Bosch-Gesamtschule einen Schweigemarsch von der jüdischen Kapelle am Friedhof in der Nordstadt bis zum Mahnmal am Lappenberg. Trotz des nasskalten Wetterzustandes und der eingangs schon erwähnten Überschattung des Jahrestages der Reichspogromnacht durch das 20-jährige Jahrestag des Mauerfalls hatten sich doch so einige Schüler und Lehrer der RBG und des Andreanums um 15:30 Uhr zusammengefunden. Auch einige andere Hildesheimer Bürger hatten sich der Gruppe angeschlossen. Herr Kalbe begrüßte alle Teilnehmenden, die sich in der Peiner Straße versammelt hatten und teilte einige Informationen zum Ablauf des Schweigemarsches mit. Zuvor hatten sich die Schüler, die sich freiwillig als Ordner gemeldet hatten, ihre neongelben Warnwesten angezogen und Instruktionen erhalten, damit sie darauf achten konnten, dass der Marsch durch die belebte und befahrene Innenstadt so reibungslos ablaufen konnte. Dann zog die Gruppe, die von der Polizei durch die Hildesheimer Straßen geleitet wurde, mit ihren augenfälligen Transparenten, die von den Passanten mit Interesse beachtet wurden, los gen Innenstadt, die Fußgängerzone hinauf und über die Schuhstraße, bis schlussendlich zum Mahnmal am Lappenberg. Kurz bevor dieses erreicht wurde, hatten die Ordner Kerzen an alle Teilnehmenden verteilt. Vor Ort waren bereits einige Menschen versammelt und die Gedenkstunde begann, nachdem weitere Kerzen und das Programm der Gedenkstunde verteilt wurden waren, gegen 16:30 Uhr mit einem Saxophon-Instrumentalstück. Anschließend hielt der Oberbürgermeister Kurt Machens eine Rede, in der er auf die Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Deutschland seit dem Mittelalter einging – wie sie in Deutschland und auch in Hildesheim über die Jahre langsam auf Akzeptanz stießen, was mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten schlagartig wieder zunichte gemacht wurde, wie die Rechte der Juden immer mehr eingeschränkt wurden, wie am 9.November 1938 die Hildesheimer Synagoge, die seit 1849 dort gestanden hatte, der Reichspogromnacht zum Opfer fiel, und wie die Hildesheimer Juden nach und nach aus der Stadt deportiert wurden und deren Leben, zu einem Großteil, ein viel zu frühes und grausames Ende gesetzt wurde. Zum Ende seiner Rede rief er dazu auf, aus den Geschehnissen von damals Lehren für die heutige Zeit zu ziehen und sich gegen Ausländerhass und Antisemitismus einzusetzen. Nach einem musikalischen Beitrag durch den anwesenden Chor sprach der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Hildesheim, Wolf-Georg von Eickstedt, zwei Gebete auf Hebräisch, um danach deren Bedeutung auf Deutsch vorzutragen. Im Anschluss darauf wurden Blumenkränze vor dem Mahnmal niedergelegt, vom Chor musikalisch begleitet. Als letzter Redebeitrag folgte die Verlesung der Stellungnahme der Abrahamitischen Religionen zum 9.November, in der wiederum von dem grausamen Antisemitismus des Dritten Reiches auf die  heutige Zeit verwiesen wurde im Hinblick darauf, dass damals leider nur sehr wenige Menschen Widerstand leisteten und dass jeder Einzelne deshalb heute umso mehr dazu aufgerufen ist, sich gegen Rassismus und Diskriminierungen jeglicher Art zu wehren, um eine friedliche Gegenwart und Zukunft möglich zu machen. Am Schluss dieser Stellungnahme wurden die zentralen Elemente des Grundgesetzes der Bundesrepublik bezüglich der Rechte und der Freiheit des Menschen genannt und besonders betont  - wir sehen sie heute als selbstverständlich an, aber nun wurde deutlich, dass wir uns glücklich schätzen können, derartige Gesetze zu haben.
Als atmosphärisch-nachdenklicher Abschluss wurde, wie zum Anfang, ein Instrumentalstück mit dem Saxophon gespielt, nach dessen Ausklingen jeder, der eine Kerze hatte, diese in die vorbereite Vorrichtung in Form eines Davidssterns einfügen konnte.
Die Gedenkstunde und der Schweigemarsch bildeten zusammen eine würdige, gedankenvolle Veranstaltung.
Eindrucksvoll wurde denen, die daran teilnahmen, ins Gedächtnis gerufen, wie wichtig folgende Forderungen des Grundgesetzes sind:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“


„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner Behinderung, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“

– und wie wichtig es ist, dass diese nicht eine leere Ansammlung von Wörtern, sondern gelebte Grundsätze sind, sodass so etwas wie am 9. November 1938 niemals wieder passiert.