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„Lehrer lernen von Lehrern“ Drucken E-Mail

In der Woche vom 23. bis zum 27. November 2009 besuchte einmal mehr eine Lehrergruppe die Hildesheimer Gesamtschule – vier LehrerInnen aus dem mecklenburg-vorpommerischen Wittenburg die Robert-Bosch-Gesamtschule.

Wir von der Schulhomepage hatten die Möglichkeit, eine der teilnehmenden Lehrerinnen, Ilka Hennigs, zu ihren Eindrücken und Erlebnissen zu befragen. Sie und ihre drei Kollegen Peter Opitz, Anke Baldauf und Kathrin Wiechmann unterrichten in Wittenburg an dem überschau-baren, da mit rund 400 Schülern im Vergleich zur RBG relativ kleinen, Christian-Ludwig-Liscow-Gymnasium, in dem Schüler und Schülerinnen den Weg von der 7. Klasse bis zum Abitur nach der 12.Klasse durchlaufen können. Das Gymnasium hatte sich vor ungefähr ei-nem Jahr bei der Robert-Bosch-Stiftung für das Lehrer-Tandem-Projekt, durch das Schulbe-suche durch Hospitationsteams gefördert und finanziell unterstützt werden, beworben, wurde angenommen und schließlich an die Robert-Bosch-Gesamtschule vermittelt.
Der Leitgedanke des Tandem-Projektes lässt sich, so Ilka Hennigs, in: „Lehrer lernen von Lehrern“ zusammenfassen.

Um den Besuch möglichst effektiv zu gestalten, erhielt jeder Lehrer einen auf die von ihm unterrichteten Fächer zugeschnittenen „Stundenplan“, in dem unter anderem das Zuschauen bei bestimmten Unterrichtsstunden (wie beispielsweise Deutsch im 11.Jahrgang oder Physik im 12.Jahrgang) und die Teilnahme am Förderunterricht sowie an Teamsitzungen und Ge-samtkonferenzen eingetragen waren. Dazu kamen noch reichliche Erfahrungsaustausche zwi-schen den Lehrern der beiden Schulen.
Insgesamt kam so eine geballte Ladung an Impressionen und Informationen auf die Besu-chergruppe aus Wittenburg zu, die es erst einmal zu verarbeiten gilt. Was jedoch außer Frage steht: die Besucher haben sich wohl an unserer Schule gefühlt. In dem Gespräch mit Ilka Hennigs berichtete diese, dass es viele Dinge gab, die ihr gut gefallen haben – wie zum Bei-spiel, dass der Pausengong abgeschafft wurde, was eine ruhigere Atmosphäre schafft, und dass den Schülern während des Unterrichts ganz bewusst „Zeit zum Denken“ gelassen wird; dass sie also dazu angehalten werden, Zusammenhänge selbst zu entwickeln und zu begreifen, anstatt einfach mit Informationen und Fakten konfrontiert zu werden. Auch das Lehrerperso-nal und die Schüler empfand Ilka Hennigs als sehr aufgeschlossen gegenüber den Besuchern, sodass diese während den Hospitationen nie das Gefühl hatten, sie würden stören. Eine Über-raschung stellte für Ilka Hennigs dar, dass trotz dessen, dass die Robert-Bosch-Gesamtschule so groß ist und von ca. 1300 Schülern besucht wird, keine Hektik dort herrscht, im Gegenteil: die Arbeitsatmosphäre und den Umgang untereinander erlebte sie als entspannt und ruhig. Was ebenfalls besonders positiv auffiel: die ausgestellten Kunstwerke auf den Fluren – die Deutsch- und Kunstlehrerin bescheinigte ihnen beeindruckt ein „hohes Niveau“. Was ihr au-ßerdem gefiel war, dass die Schüler der unteren Jahrgangsstufen dazu angehalten werden, eine ordentliche Mappenführung zu betrieben – eine geordnete Mappe bewirke einen geord-neten Kopf, meinte sie, und merkte mit leichtem Bedauern an, dass ihre Schüler in Wittenburg ihr dies bisher nicht glaubten.

Vieles von den Konzepten und Unterrichtsmethoden war Ilka Hennigs positiv aufgefallen, wobei es ohnehin von Vornherein viele Übereinstimmungen der beiden Schulen in den An-sichten, wie Schule sein solle, gegeben habe und es Parallelen in der Gestaltung des Unter-richts gäbe, zum Beispiel, was das praxisnahe und fächerübergreifende Arbeiten sowie das Arbeiten an Projekten und in Gruppen betrifft.
Der Besuch habe jedoch zahlreiche neue Gedankenanstöße gegeben, bei denen nun geschaut werden muss, welche davon sich auf das Christian-Ludwig-Liscow-Gymnasium übertragen lassen – schließlich handelt es sich um zwei verschiedene Schulformen mit verschiedenen Vorraussetzungen.
Doch zum Beispiel das bewusste Einräumen der „Zeit zum Denken“ sowie das Neustrukturie-ren und „Entrümpeln“ von Fachbereichsplänen nach dem Vorbild derer der Robert-Bosch-Gesamtschule sind Aspekte, die auf jeden Fall mit dem Lehrerkollegium in Wittenburg be-sprochen und dann in entsprechender Form im Gymnasium dort eingearbeitet werden sollen.

Von der Besuchergruppe geht an ihre Betreuerinnen für die Woche, Ute Van der Velde und Anika Schirmer, sowie an alle anderen Kolleginnen und Kollegen, die sie während ihres Be-suches in ihren Unterricht aufgenommen oder mit denen sie sich ausgetauscht haben, ein herzliches Dankeschön


Katharina Aschenbrenner