Suchtmobil macht Halt an der RBG
Ex-Drogenabhängiger Wolfgang Kiehl hält fesselnden Vortrag

Wie viele Jugendliche und junge Erwachsene merkte er erst spät, nach 8 Jahren Heroinabhängigkeit, dass er sich in einer zerstörerischen und lebensbedrohlichen Suchtspirale befand.
Um Jugendliche vor dieser Gefahr zu warnen und sie somit bestenfalls davon abzuhalten, einen Weg in die Sucht einzuschlagen, besucht Wolfgang Kiehl von Suchtmobil e.V. regelmäßig Schulen, an denen er in ca. 90-minütigen Vorträgen über seine Vergangenheit als Drogenabhängiger spricht.
Am 21.Dezember 2009 machte er auch an der Robert-Bosch-Gesamtschule halt, um die ersten beiden Schulstunden des Tages in der Schulaula zu den Schülern und Lehrern des 9.Jahrgangs zu sprechen und in der dritten Schulstunde persönliche Fragen der Schüler zu beantworten - unter Ausschluss der Lehrer zugunsten der Offenheit der Jugendlichen.
Gleichzeitig fand in der Sporthalle ein Fußballtraining für Schüler des 6. Jahrgangs statt, ausgehend vom Bundesliga-Verein Hannover 96, der Suchtmobil e.V. als Partner unterstützt.
Während seines Vortrages erzählte Wolfgang Kiehl offen über den Ablauf seiner Suchtkrankheit und hatte die Aufmerksamkeit der gut gefüllten Schulaula ganz auf seiner Seite, wobei er die Zuhörenden des Öfteren durch Fragen in den Vortrag mit einbezog.
Er beschrieb, wie massive Probleme mit seinen Eltern und in der Schule zunächst dazu führten, dass er mit dem Rauchen anfing, wie er später durch das Hereingelangen in eine Clique allmählich zum Konsum von Cannabis kam. Danach kam eines zum anderen - halluzinogene Pilze, Speed, LSD, Kokain und schließlich Heroin folgten. Die Hemmschwelle, neue Drogen auszuprobieren, sank immer weiter. Schlussendlich bestimmten Drogen und deren Beschaffung Wolfgang Kiehls Leben. In seinem Vortrag nannte er wiederholt bestimmte Gedankenmuster, die er damals hatte – er wollte dazugehören, sich beweisen, zeigen, dass er mithalten konnte. „Bloß nicht ausgeschlossen werden“, das war sein Komplex, sagt er heute.
Zudem machte er sich vor, er könne ja jederzeit aufhören, er brauche keine Drogen, sei nicht abhängig. Ein fataler Selbstbetrug, den er erst im Nachhinein als solchen wahrnehmen kann.
Nachdrücklich appellierte er an die Schüler, nicht den Fehler zu machen, in dem er heute seine Falle erkennt: Er hörte auf, über das, was er fühlte, zu reden – er staute die Gefühle an und verdrängte sie mit dem „Gefühlskiller“ Heroin.
So rief er die Schüler auf:
„Lernt, über eure Probleme, Ängste und Wünsche und über Sachen, die ihr erlebt habt, zu reden!“
Die Schüler lauschten dem 90-minütigen Vortrag gebannt – sie merkten, dass Wolfgang Kiehl wusste, wovon er redet, dass er ehrlich zu ihnen war.
Sie merkten zudem, dass er sie nicht „von oben“ belehren wollte – er wollte sie warnen und für die Ernsthaftigkeit des Themas „Drogensucht“ sensibilisieren, was ihm durch seine authentische Art durchaus gelungen sein dürfte.
Seine ehrliche Erzählweise wurde von den Schülern des 9.Jahrganges sowie den Lehrern mit viel Applaus bedacht und seine Worte haben bestimmt bei allen Anwesenden einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.




