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„Menschenschicksale“ Drucken E-Mail

Der gesamte 9. Jahrgang und die Politikkurse der Oberstufe hören gebannt den Vortragenden zu

Zu Beginn der Eröffnung sprach Schulleiter Wilfried Kretschmer zu den Anwesenden ein Grußwort. Er bedankte sich bei dem Elternvertreter Matthias Kern, der den Kontakt zum Bundesverwaltungsamt hergestellt hatte, und bei der Leitung des 9.Jahrgangs sowie dem Fachbereich Gesellschaft für die Initiative zu der Beherbergung dieser Ausstellung. Auch erinnerte er daran, dass die Robert-Bosch-Gesamtschule als UNESCO-Projektschule sich ganz besonders dazu berufen fühlt, das Erinnern zum Gegenstand des Unterrichtens zu machen.

Im Anschluss daran kam der Fachbereichsleiter Gesellschaft, Wilfried Kohrs, zu Wort. Er hielt eine Rede, mit der er einerseits einen Überblick über den Inhalt der Ausstellung bot, zusätzlich aber besonders betonte, warum es wichtig ist, sich mit dunklen Kapiteln der Geschichte - wie dem Nationalsozialismus - auseinanderzusetzen. Er merkte an, dass es bald keine Zeitzeugen des „Dritten Reiches“ mehr geben werde. „Dann wird es nur noch Dokumente geben und Geschichtsbücher und eine große Aufgabe für uns, für euch: Die Aufgabe des Erinnerns.“, machte er den Zuhörenden bewusst. Dabei verschwieg er nicht, dass dies weder eine leichte, noch eine angenehme Aufgabe sei, betonte jedoch: „Wir müssen die Verbrechen der Nazi-Diktatur in Erinnerung behalten. Vergessen wir, was einfacher wären, dann werden solche Verbrechen wieder möglich.“

Der 65. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, dem am Tag zuvor in der Rathaushalle der Stadt Hildesheim feierlich gedacht wurde, sei Anlass für die Eröffnung dieser Ausstellung, sagte der Fachbereichsleiter.


Wilfried Kohrs mahnt vor dem Vergessen

Wilfried Kohrs wandte sich in manchen Teilen seiner Rede besonders an den 9.Jahrgang, der das Thema Nationalsozialismus zur Zeit im Gesellschaftsunterricht durchnimmt und auch das ehemalige Konzentrationslager Bergen-Belsen besuchen wird. Er hielt die Schülerinnen und Schüler dazu an, auch die Ausstellung für die Referate, die sie zu erarbeiten haben, als Informationsquelle zu nutzen.

Im Anschluss an diese Rede zeigte Schulleiter Wilfried Kretschmer eine Filmaufnahme aus dem März 1942, die in Hildesheim in der Kaiserstraße aufgenommen wurde. Für Wilfried Kretschmer ein Ort der Erinnerung, hatte er doch dort, wo heute das Amtsgericht steht, früher Fußball gespielt. In dieser Filmsequenz von 1942 ist zu sehen, wie sich Männer, Frauen und Kinder mit Reisegepäck versammeln, so als würden sie eine Reise, einen Wochenendbesuch bei Verwandten machen. Eine ganz normale Szene, nichts Dramatisches – wüsste man nicht wie Wilfried Kretschmer im Anschluss an den Film berichtete, dass die Menschen Juden waren kurz vor ihrer Deportation nach Auschwitz. Und 30 Stunden nach der Aufnahme dieses Filmes wurden sie dort vergast. „Menschenschicksale“ in Hildesheim.

Eine Reise ohne Wiederkehr


Zum Abschluss der Ausstellungseröffnung stellten die Schülerinnen und Schüler eines Politikkurses des 13. Jahrgangs die Erklärung der Menschenrechte von 1948 in einer Lesung dar. Dabei konfrontierten sie die „Versprechen“ der Artikel mit der „Realität“, wie nämlich in vielen Staaten der Erde diese elementaren Rechte mit Füßen getreten werden: Zensur, Folter, willkürliche Verhaftungen, Todesstrafe, Verstümmelung usw. usw. Es wurde deutlich, dass die staatlich vorgenommene (oder die staatlich gebilligte) Herabwürdigung und die Misshandlung von Menschen auch nach dem Ende des Nationalsozialismus immer noch stattfinden, wenn auch nicht bei uns in Deutschland. Menschenrechte sind leider keine Selbstverständlichkeit und jeder sollte sich aufgerufen fühlen, für sie einzutreten, wo er kann.

Im Anschluss an diese kleine feierliche Eröffnung konnte sich jeder individuell die Ausstellung ansehen und dabei verschiedene Einzelschicksale verfolgen. Dort findet man Dokumente zur Ausbürgerung prominenter Persönlichkeiten wie Willy Brandt, Albert Einstein, Kurt Tucholsky und Bertolt Brecht, als auch unbekannte Schicksale, wie beispielsweise der „Familie A. aus Erfurt“.

„Insgesamt wird deutlich, wie Recht und Verwaltung durch die Ideologie korrumpiert und als Machtmittel zur Durchsetzung politischer Ziele missbraucht werden.“, schreibt das Bundesverwaltungsamt dazu auf seiner Internetseite.

Die Ausstellung ist sehr sehenswert, gerade weil das Thema Ausbürgerung zur Zeit des Nationalsozialismus in Medien und Schulbüchern eher selten zur Sprache kommt.

So werden hier nicht nur die Schülerinnen und Schüler des 9.Jahrgangs etwas dazulernen können.

Katharina Aschenbrenner