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„Weltkultur- und Weltnaturerbestätten“ als Thema des Seminarfachs des 13. Jahrganges Drucken E-Mail

Und besonders hervorheben möchte ich Tabea Hirche, die die Produktion des Flyers wesentlich moderiert hat und ich möchte mich bedanken bei Lena Schmidt, Sophia Cassarubia, Sarah Schinkel, Marvin Heinemann und bei Dustin Gawenat. Sie haben große Mühe aufgewandt, das alles hier zustande zu bringen.

Zu eurem Thema „Weltkulturerbestätten“ und „Weltnaturerbe“. Es ist naheliegend, dass der Grund für diese thematische Wahl der ist, dass die Michaeliskirche im Jahr 1010 geweiht worden ist als Grablege für ihren Erbauer Bischof Bernward. Dieser hat  dann tatsächlich auch sein Grab dort in der Krypta gefunden. Und es ist ein großes Ereignis, dass diese Kirche jetzt 1000 Jahre hier in Hildesheim existiert. Sie ist Weltkulturerbestätte seit 1984. Und sie ist es nicht alleine. Sie ist es zusammen mit der bernwardinischen Bronzekunst, die man im Dom findet. Also der Bernwardstür, der Bernwardsäule aber auch der so genannten Kleinkunst, die dort im Dom zu finden ist. Diese 1000 Jahre Michaeliskirche sind ein wichtiges Ereignis für die Stadt und die Region und natürlich ist es dann auch ein wichtiges Ereignis für die Robert-Bosch-Gesamtschule. Wir sind UNESCO-Projektschule und die UNESCO ist ja diejenige Institution, die die Zertifizierung eben bedeutender Natur- und Kulturgüter als Welterbestätten vornimmt.

Ich habe mich besonders gefreut, dass bei euren Ausstellungen, die so vielfältig sind, auch das Thema Weltnaturerbe zum Ausdruck kommt und ich habe mich auch gefreut, dass beispielsweise der Nationalpark Scandola auf Korsika, der ebenfalls 1984 Weltnaturerbestätte geworden ist, durch euch auch erwähnt und vorgestellt wurde. Und das, was ihr präsentiert, reicht dann ein deutliches Stück weiter als dass, was zurzeit zu diesem Thema in Hildesheim stattfindet. Die Eröffnung des Jahrtausendereignisses vor kurzem in der Michaeliskirche hat meines Erachtens den religiösen Aspekt in den Mittelpunkt gestellt. Dass die Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirche dies so getan haben, das kann man ihnen nicht verdenken. Sie haben die Michaeliskirche ausschließlich in seiner Bedeutung als 1000jähriges Gotteshaus gewürdigt. Und das haben sie sehr deutlich getan.

Allerdings wird die ganze Sache recht einseitig, wenn der Blick nur rückwärtsgewandt und auf das Religiöse fokussiert gerichtet bleibt. Dies ist bislang leider geschehen. Wie komme ich zu einer solchen Einschätzung?

Zunächst stellt sich schon die Frage, was denn „Weltkulturerbe“- und „Weltnaturerbestätten“ eigentlich sind und welchen Sinn diese Auszeichnung überhaupt hat. Hierbei habe ich viel  vom ehemaligen Wirtschaftsminister Walter Hirche, dem jetzigen Präsidenten der deutschen UNESCO-Kommission, gelernt. Walter Hirche war bei dem Ereignis in der Michaeliskirche übrigens anwesend. Zu Wort gekommen ist er bezeichnenderweise allerdings nicht. Das Bild was ich habe, wenn ich an Weltnaturerbe und Weltkulturerbe denke, ist, dass eine Erdkugel, die ihr euch sicherlich vorstellen könnt, mit den Kontinenten, Ländern und mit den Städten die Basis bildet. Aus dieser Weltkugel ragen dann wie kleine Nadeln die Weltnatur- und Weltkulturerbestätten heraus. Und diese die Erdkugel spickenden Nadeln, die jetzt aus dieser Weltkugel hervorstechen wie die Stacheln aus einem Igel, zeigen  jedes einzelne Weltkultur- und Weltnaturerbe an. Die Köpfe der Nadeln muss man sich jetzt durch Bänder verbunden vorstellen. Durch diese Verbindung ist so ein weltübergreifendes Netz der Natur- und Kulturerbestätten entstanden. Hier ist die Zukunftsbedeutung dieser Weltnatur- und Weltkulturerbestätten anzusiedeln. Die Menschheit konstituiert durch ihre Institution der UNESCO ein übergreifendes Netz bedeutender Orte der Natur und der Kultur. In Hildesheim stecken mit Michaeliskirche und mit dem Mariendom gleich zwei Nadeln. Und davon gehen Bänder in die ganze Welt aus. Das macht stolz, es verbindet uns mit der ganzen Welt, aber es erzeugt umgekehrt auch Respekt. Wir alle, aber vor allem ihr junge Menschen könnt daran lernen, nicht überheblich, sondern tolerant und zurückhaltend zu sein. Achtung und Demut vor der Leistung anderer Kulturen. Denn überall auf der Erde haben die Menschen im Zuge ihrer Zivilisationsprozesse herausragende kulturelle Leistungen entwickelt und sie alle haben auch versucht, Antworten auf die Frage, wie man ein glückliches Leben führt, zu finden, und sie haben alle sich auch Fragen nach dem Verbleib ihrer Identität und Seele nach dem Angst einflößenden Tod gestellt. Das ist weltübergreifend und eben typisch menschlich.

Die Bedeutung von Michaelis zu würdigen, ist mehr als der Hinweis auf ein tausendjähriges Haus Gottes. Auch wenn dies den Kirchen vielleicht nicht passt: Die Michaeliskirche gehört nicht den Kirchen. Sie gehört allen Menschen. Den Hildesheimern genauso wie den Menschen in Indien oder den Indianern in Südamerika. Diese haben uns dafür mit ihren Welterbestätten verbunden. Und die Stadt hat eben nicht nur ein Gotteshaus, sondern sie ist als Ort auch verbunden mit den Orten, an denen andere Menschen und andere Kulturen anderes Bedeutendes gemacht haben. Diese wirklich Kulturen verbindende Idee ist bisher nicht aufgegriffen worden. Statt dessen ist es geplant, dass Vertreter aus Städten, in denen es „Michaeliskirchen“ gibt, im Juni nach Hildesheim kommen sollen. Nichts gegen diese Menschen. Sie sollen bei uns willkommen sein. Aber mit Weltkulturerbe hat das nichts zu tun. Es ist meines Erachtens eher die provinzielle Variante der Wahrnehmung von „1000 Jahre Michaelis“. Den Kern der Sache eher getroffen hätte man meines Erachtens dann, wenn man Vertreter, warum nicht Jugendliche?, aus Städten und Regionen eingeladen hätte, in denen es Weltnatur- oder Weltkulturerbestätten gibt. Ein persönliches weltweites Netz der Toleranz und des Friedens hätte so entstehen können. Die Marketingstrategen der von der Stadt beauftragten Werbeagentur haben die Internationalität offensichtlich etwas besser begriffen. Immerhin titeln sie den zentralen Slogan der Stadt mit „Hildesheim. Welt. Kultur. Erbe.“

Ihr Schülerinnen und Schüler seid da mit euren Projekten zum Thema offensichtlich weiter als das offizielle Hildesheim. Ihr seid durch Europa gefahren und ihr habt euch Weltkulturerbestätten woanders angeschaut.  Und ihr bringt mit und zeigt dies auch hier in euren Beiträgen zur Ausstellung, was denn sonst so in Europa, in Wien und in Prag, in Barcelona und auf Korsika, zum Thema Weltkultur zu besichtigen ist. Ihr seid den Fäden des Netzes zunächst bis zu den nächsten kleinen Knoten an den in den Orten steckenden Nadelspitzen gefolgt. Die Ergebnisse eurer Exkursionen habt ihr nach Hildesheim in diese Ausstellung gebracht. Ihr habt das sehr gut gemacht und ihr habt es sehr kreativ gemacht. Dabei habt ihr auch - was das Leitbild und die Ziele unserer UNESCO-Schule anbelangt - einen deutlichen Beitrag zum Verständnis anderer europäischer Regionen geleistet

Dafür danke ich euch recht herzlich und wünsche dieser Ausstellung einen guten Verlauf und reges Interesse.