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Ziele demokratisch setzen - und konsequent umsetzen Drucken E-Mail

Als an der Robert-Bosch-Gesamtschule damit begonnen wurde, Lösungen für das dringende Problem der zurückgehenden Schülerzahlen zu suchen und die Attraktivität der Schule zu steigern, musste das Kollegium dies aus eigener Kraft bewerkstelligen. Es gab keinen Entschluss „von oben“, die Schule unbedingt erhalten zu wollen; es wurde kein Korrekturprogramm „verordnet“; es gab auch keine zusätzlichen Mittel … Was es jedoch gab, war das Engagement des Kollegiums – erstaunlicherweise in hohem Maße.


Und außerdem gab es auch noch das Können, es gab die Professionalität der Kolleginnen und Kollegen. Dies beides war offensichtlich entscheidend für das Gelingen des Erneuerungsprozesses der Schule. Eine wesentliche Rolle spielte dabei die Identifikation der Kolleginnen und Kollegen, und dies in doppelter Hinsicht: Die Lehrkräfte haben sich so sehr eingesetzt, weil sie sich mit der Reformschule Integrierte Gesamtschule identifizierten. Aber die Lehrer identifizierten sich auch mit der konkreten Robert-Bosch Gesamtschule in Hildesheim – ihrer Schule. Insofern ist die Entwicklung dieser Hildesheimer Gesamtschule auch ein gutes Beispiel für das Gelingen einer demokratischen und auf Partizipation begründeten Schulentwicklung überhaupt. Und der Entwicklungsprozess wurde in den ersten Jahren auch ohne Führung „von oben“ auf die Beine gestellt.
Wir erhielten dann aber auch Wertschätzung und Anerkennung von außen: Während der Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover durfte die Schule als eine von ganz wenigen Schulen das Bildungswesen Deutschlands repräsentieren. Diese Auswahl wurde vom Kollegium als eine enorme Anerkennung betrachtet, und sie hat allen am Erfolg Beteiligten einen starken positiven emotionalen Schub nach vorne gegeben. Die Jury des Deutschen Schulpreises stellte dann im Dezember 2007 heraus, dass die Robert-Bosch- Gesamtschule überall gut oder sogar sehr gut sei. Besonders habe das Management des Schulentwicklungsprozesses Eindruck hinterlassen – und auch, dass die Schule Kindern aller Begabungen und aller sozialer Schichten viel zu bieten habe und kaum ein Schüler sie ohne Abschluss verlasse. Sehr viele Kinder und Jugendliche seien außerdem in den Wettbewerben beispielsweise von „Jugend forscht“ erfolgreich. Als UNESCOProjektschule haben Friedenserziehung und die Bewahrung der natürlichen Mitwelt im Großen wie im Kleinen einen hohen Stellenwert.
In ihrer Entwicklung bemüht sich die Robert-Bosch-Gesamtschule darum, möglichst alle von Veränderungen Betroffenen an der Gestaltung dieses Prozesses zu beteiligen. Dies gilt vor allem für das Setzen und Verabreden von Zielen. Die Schulleitung hat hierbei eine eher moderierende Funktion. Zwar begreifen sich auch die Schulleitungsmitglieder als Vertreter bestimmter Positionen und Meinungen, und von der Schulleitung gehen natürlich auch viele Impulse aus. Gleichwohl ist der Bereich der Zielsetzung ein sehr offener und diskursiver Prozess: Dies geschieht in der Arbeit der Gremien im laufenden Jahr. Es geschieht aber vor allem einmal pro Jahr jeweils im Dezember. Dann findet an einem anderen Ort die mehrtägige Tagung der Funktionsstellen inhaberder Schule statt. Die Kolleginnen und Kollegen besprechen und erörtern, welche Stärken und Schwächen bei unserer Arbeit festgestellt wurden, was gut und was schlecht gemacht wurde, was im nächsten Jahr anders gemacht werden soll und welche Schwerpunkte gesetzt werden sollen. Das verdichtet sich zu drei, vier wesentlichen Projekten für das nächst folgende Schuljahr. Hinzu kommt, dass es ein sehr klarer Anspruch der Schule ist, vereinbarte Ziele und Verabredungen auch Wirklichkeit werden zu lassen. Schule sollte nicht etwa als „Ort organisierter Unverbindlichkeit“ erscheinen, und, etwas pointiert gesagt, Schulen können nicht wie selbstverwaltete Jugendzentren geleitet werden. Dazu kontrollieren die Schulleitung und die Jahrgangs- und Fachbereichsleiter die Verwirklichung und Umsetzung der gefassten Beschlüsse. Dieses geschieht kontinuierlich und begleitend das ganze Jahr über. Gelegentlich hört man die Meinung, Schule könne sich nur dann gut entwickeln, wenn man die Leitung besonders stark machen und diese mit viel Macht ausstatten würde. Diese Position erscheint vor dem Hintergrund der Erfahrungen der Robert-Bosch-Gesamtschule eher fragwürdig. Was könnte eine starke Schulleitung bewirken, wenn sie auf ein Kollegium trifft, das sie nicht motivieren kann? Bedeutsam für die Entwicklung unserer Schule war und ist, dass sich alle Beteiligten über die grundsätzlichen Leitlinien der gemeinsamen Arbeit verständigen und konkrete Ziele und Maßnahmen von den jeweiligen Teams entwickelt und vorgeschlagen werden. Die Gremien der Schule beschließen dann demokratisch.

Sind solche demokratischen Strukturen an einer Schule erst einmal aufgebaut und allgemein akzeptiert, werden Reformen, die „von außen“ an die Schule herangetragen werden, verständlicherweise zunächst kritisch betrachtet. Reformen werden von einem Kollegium dann besonders gut getragen, wenn sie im Kollegium konzipiert und dann durch die Schule beschlossen wurden. Wir entwickeln unsere Schule weiter. Kontinuierlich justieren wir an kleinen Stellschrauben nach. Zum Beispiel verbessern wir gerade (im Jahr 2009) unseren sozialen Lehrplan. Wir wollen verbindlicher festlegen, was unsere Schüler von Jahrgang 5 bis Jahrgang 13 im sozialen Bereich leisten und in welchen Handlungsfeldern des sozialen Lernens sie sich aktiv beteiligen sollen. Auch sind wir gerade dabei, die Feedback- Kultur in unserer Schule weiterzuentwickeln. Deshalb haben wir begonnen, flächendeckend einen Fragebogen für alle Schüler in allen Fächern einzusetzen. So bekommen die Lehrkräfte eine direkte Rückmeldung ihrer Schüler über die Wahrnehmung der Qualität ihres Unterrichts.