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20 Jahre Baltic-Sea-Project der Robert-Bosch-Gesamtschule Drucken E-Mail

Am Anfang war es eher provisorisch…

Vor 20 Jahren hatten einige Kollegen an der RBG die Idee, mit Oberstufenschülern nicht mehr die üblichen Abschlussfahrten durchzuführen, sondern an den Küsten der Cimbrischen Halbinsel vor Haderslev tiefere Einblicke in die Natur und die Besonderheiten der Landeskunde zu vermitteln.

Diese originellen Begegnungen hatten am Anfang recht provisorischen Charakter. Ein Segelschiff diente die ersten Jahre als schwimmende Basis, um die Restbestände der Schweinswale in der Ostsee zu beobachten. Auf dem abgelegenen Campingplatz eine Mini-Insel mit fast 200 Einwohnern entstand anfangs jeden Sommer ein lockeres, eher zufällig hingeworfenes Konglomerat sehr individueller Zelte. Gekocht wurde auf Gaskochern. auf mitgebrachten Grillgeräten konnte die manchmal recht eintönige Verpflegung aufgewertet werden, häufig mit selbst gefangenem Fisch. Das beeinträchtigte allerdings die Liebe zur Natur nicht im Geringsten, denn die täglichen Exkursionen auf dem Schiff, ins Flachwasser und ins nahe gelegene Haderslev und rund um die Insel mit altem Wikingerflair waren für alle Beteiligten eine große Bereicherung. Das galt umso mehr, als gemeinsam gestaltete Abende mit Gesellschaftsspielen und Strandfeste, während der Mitsommernächte auch gemeinsam mit Einheimischen, für Abwechslung sorgten.

Anfangs wurden die Fahrten eher provisorisch als „Butterfahrten“ oder mit privaten PKW-Transporten, manchmal auch mit der Bahn organisiert. Mit großem Elan stellten Kollegen gemeinsam mit Schülern Arbeitsmaterial zusammen, aus dem schrittweise der heutige fast hundertseitige Arbeitsordner entstand. Ein Schwerpunkt der Naturbeobachtung lag in den ersten Jahren vor allem bei der Vogelwelt auf dem Kalv vor der „Babybucht“. Hier befanden sich hervorragende Brutkolonien teilweise recht seltener Seevögel. Die Zahlen wurden erfasst und die Ergebnisse auf Zählbögen an die Erfassungsstellen des BSP weitergegeben. Leider sind diese Brutvogelkolonien in den letzten Jahren durch die Einwanderung von Füchsen einem starken Druck ausgesetzt, die Artenzusammensetzung hat sich stark geändert.

In diese Zeit fielen auch das Ende der Grenzen nach Osten und die Ausweitung der Europäischen Zusammenarbeit über den gesamten Ostseeraum. Immer wieder reisten kleine Schülergruppen mit Lehrerbegleitung ins skandinavische Ausland zu Treffen mit anderen Mitgliederschulen aus dem Ostseeraum und hatten herzliche Begegnungen, bei denen nicht nur der Austausch über Ergebnisse der Erforschung der Natur im Mittelpunkt stand. Das „ Baltic-Sea-Project“ ebnete auch den Weg der Ostseeanrainer in die Europäische Union.

Das Konzept der unmittelbaren Naturbegegnung für möglichst viele Schüler ebnete den Weg für die Sommerschule der 8./9. Jahrgänge. Der Erfolg der jährlichen Exkursionen von SchülerInnen des 10./11. Jahrgangs auf die kleine Ostseeinsel Aarö, wobei es mehrfach auch zu gemeinsamen Arbeitswochen mit einer partnerschaftlich verbundenen IGS kam, sprach sich in unserer Schule herum. So bildete sich um Herrn Binsteiner ein Team von KollegenInnen, die diese Studienaufenthalte zu einem verpflichtenden Programm eines Jahrgangs machen sollten und die bis dahin üblichen Freizeitfahrten ablösten. Nach einem intensiven Diskussionsprozess unter Einbeziehung aller KollegenInnen unserer Schule – schließlich würden ja die meisten als Stammgruppenleiter/Klassenlehrer von dem Projekt betroffen sein – konnte die Sommerschule als fächerübergreifendes Konzept umfassender Bildung in Natur und Gesellschaft verwirklicht werden. Ein festes Zeltlager mit Küche und Versorgungs-/Unterrichtszelt ermöglichte das „Grüne Klassenzimmer“ im wahrsten Sinne des Wortes.

Interdisziplinäres Lernen direkt an der Küste in einem Nachbarland, wobei das genutzte Gebiet bis 1919 zu Deutschland gehört hatte und somit der Gedanke der Völkerverständigung weiter vertieft wurde, das war ein unschätzbares Kleinod der Erlebnispädagogik.

Das Baltic-Sea-Project der Oberstufe wurde durch diesen Wandel in der Konzeption stark verbessert, die Teilnahme für Mitglieder der naturwissenschaftlichen Leistungskurse geradezu ein „Muss“. Mit festem Standlager und Küchenversorgung konnte der „Forschungsanteil“ intensiviert werden, insofern auch die „schuleigene Flotte“ aufgebaut und so die Möglichkeiten der marinen Erkundungsfahrten noch verbessert wurden. Nach 20 Jahren ist das Projekt „in die Jahre gekommen“, ist fester Bestandteil des Schullebens. Seit Neuestem werden die Fahrten im 11. Jahrgang in festen Teilnehmergruppen ein Jahr lang vorbereitet, vor allem zukünftige Mitglieder des Naturwissenschaftlichen Zweiges nehmen teil und beschäftigen sich mit speziellen Teilaufgaben. Beeindruckend zu sehen ist auch das Engagement der jungen Menschen, sich mit meist fremden Fragestellungen des Landschaftswandels zu Lande und im Wasser zu beschäftigen! Neu hinzugekommen ist die Nutzung der schuleigenen Tauchbasis: sie ermöglicht die Erkundung der tieferen Gewässer der Beltsee rund um die Insel, welche über längere Zeiträume beobachtet und dokumentiert werden sollen.

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